Quelle: faz.net
Aus der Tibet-Krise ist ein Kommunikationszusammenbruch zwischen chinesischer und westlicher Öffentlichkeit entstanden, den man fast schon einen Kulturkampf nennen muss. Im Westen herrscht die Meinung vor, bei den unkorrekten, zum Teil manipulativen Darstellungen der tibetischen Ereignisse durch einige Medien handele es sich bloß um handwerkliche Fehler, die aber an der Gesamteinschätzung nichts ändern könnten. Die Chinesen, die sich in Medienkritik üben, werden in Internetdiskussionen, auch in Deutschland, als „Regierungsclaqueure“ oder gar als „gehirngewaschen“ beschimpft, da sie nicht zugleich auf die chinesische Zensur und Medienabschottung hinwiesen und auch über die Unterdrückung der Tibeter kein Wort verlören.
In China dagegen sind nicht nur Regierungskreise, sondern auch weite Teile der Bevölkerung, soweit sie sich in Alltagsgesprächen und Internetforen äußern, von Grund auf über die westliche Behandlung des Themas empört. Wo Chinesen auf offener Straße erstochen oder erschlagen wurden und in ihren angezündeten Häusern verbrannten, gebe der Westen das als chinesische Gewalt aus und solidarisiere sich mit den Mördern; ja, er verwehre es den Behörden dann auch noch, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Könne es einen schlagenderen Beweis geben für die Voreingenommenheit nicht bloß gegen den chinesischen Staat, sondern gegen die Chinesen selbst, und den Willen, ihnen übelzuwollen? Viele Blogger wundern sich über die Geschlossenheit des westlichen Meinungsbilds und scheuen ihrerseits nicht vor dem Etikett „Gehirnwäsche“ zurück...







