Quelle: faz.net
Es ist eine Binsenweisheit: Den Deutschen wird's mulmig bei Markt und Kapitalismus. Die Hälfte der Bürger bekennt sich laut Allensbach-Umfrage zu sozialistischen Idealen. Der Begriff Marktwirtschaft geht den wenigsten ohne das Schutzwort „sozial“ über die Lippen. Seit Jahrzehnten scheitern noch so kleine Reformen, bei denen der Verdacht besteht, sie könnten Menschen von Politik und Sozialstaat abnabeln und den kalten Kräften von Markt und Selbstverantwortung aussetzen. Um das alles zu ergründen, können wir Bismarck und Weimar bemühen, über die frappierende Überlappung von linkem Klassendünkel und rechter Gemeinschaftsgesinnung sprechen oder über den Machterhalt der politischen Klasse durch die Sozialstaatsabhängigkeit der Bürger.
Oder aber wir fragen, wie diese tradierten Einstellungen zu Markt und Staat ganz konkret von Generation zu Generation weitergegeben werden, zum Beispiel in der Schule. Dort lehrt eine Gesellschaft ihre Kinder nicht nur Lesen und Schreiben, sondern transportiert auch Identität, Geschichtsbild und Werte. Es ist gut, dass deutsche Kinder heute nicht mehr dasselbe über Menschen anderer Länder, Hautfarben oder Religionen lernen wie noch vor 70 Jahren. Was in deutschen Schulbüchern über den Nationalsozialismus oder die DDR-Diktatur steht, ist zu Recht von großem Interesse. Seltsamerweise steht die Frage, wie ökonomische Zusammenhänge gelehrt werden, kaum im Mittelpunkt von Debatte und Forschung, obwohl wirtschaftliche Ideologie nicht minder prägend ist für persönliche Entscheidungen und politische Präferenzen, am Ende sogar für Wirtschaftsleistung, Wahlausgänge und konkrete Politik...







