:: Von der Kreditkrise in die Wirtschaftskrise? ::

· tar, den 24.10.07 in Amerika, Deutschland, Europa, Krise, Liberalismus, Politik, Probleme, Soziales, Wirtschaft

Quelle: spiegelfechter.com

Teil 1

“Joe” Ackermann hat am Wochenende in Washington bei der Tagung von IWF und Weltbank endgültig bewiesen, dass das weitläufige Vorurteil, Schweizer hätten keinen Humor, falsch ist. In schonungsloser Selbstkritik kündigte er als Vorsitzender des Großbankenverbandes Institut of International Finance (IIF) eine Transparenz-Initiative an, mit der “die besten Marktstandards noch verfeinert werden sollen”. Das hört sich natürlich prächtig an und erinnert an Merkels Forderung vom G8-Gipfel im letzten Sommer, man müße Transparenz in die Märkte bringen. Ackermann hätte auch sagen können, man plane den Launch eines neuen Produktes namens “Nebel - ab jetzt 25% durchsichtiger”. Fundamentalkritik, die an dieser Stelle bitter nötig wäre, klingt jedenfalls anders. An Fundamentalkritik kann der Zampano der deutschen Bankenszene auch kein Interesse haben, subsummiert er doch, dass die Kreditkrise gezeigt habe, “dass die Institute fundamental stark und das Weltfinanzsystem fundamental gesund sei”.

“Diese Aussagen überraschen den Laien und verwunderen den Ökonomen - klagten die amerikanischen Großbanken doch erst letzte Woche über sagenhafte 400 Mrd. US$, die sie außerhalb der Bilanzen parken mußten, da es sich um unverkäufliche Papiere der höchsten Risikoklasse handelt. Außerhalb der Bilanzen? Enron läßt grüßen. Zusätzlich kommen freilich noch Korrekturen innerhalb der Bilanzen um mehrere Milliarden Dollar hinzu und Rückstellungen für zukünftige “unkalkulierbare Risiken”. Auch Ackermanns Haus, die Deutsche Bank, hat bereits 2,2 Mrd. € als Verluste abgeschrieben und nicht verkäufliche Papiere in Höhe von mindestens 29 Mrd. € in den Büchern, deren reeler Wert nicht bestimmbar ist.

Wenn ein führender Banker, wie “Joe” Ackermann solch gigantische Positionen als “fundamentale Stärke” ansieht, so hoffe ich doch stark, dass seine Angestellten meine Risiken ähnlich bewerten, wenn ich ihnen Forderungen des Finanzamts in unbekannter Höhe als “fundamentale Stärke” und einen daher nötigen Kredit als “Verfeinerung” meines eh schon nahe der Perfektion liegenden Finanzstandards verkaufe. Es verwundert auch, dass sich Ackermann zu einem Zeitpunkt derart zuversichtlich zeigt, an dem die momentanen Risiken und Ausfälle, noch nicht einmal den Bankern und ihren Aufsichtsbehörden selbst bekannt sind, geschweige denn Prognosen für die Zukunft möglich sind. Eines steht nämlich fest - egal wie viel Liquidität die Notenbanken in die Märkte pumpen, und um wie viele Basispunkte sie die Zinsen senken (die EZB wird die Zinsen wahrscheinlich sogar erhöhen müssen), die Krise ist längst nicht überstanden und wird das Finanzsystem noch mehrere Jahre beschäftigen...




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