Oft habe ich mich gefragt, wieso die Welt so ist, wie sie ist. Wieso sie scheinbar an außerordentlicher Ungerechtigkeit, Ignoranz, Stumpfsinn und allgemeinem Leiden überquillt, während sich doch nahezu jeder eine bessere Welt wünscht und daraufhin so allerhand Utopien ersonnen werden, in denen entweder nur an ganz bestimmten Stellen ein paar Schräubchen gedreht oder gleich die ganze Menschheit geändert werden müsse, um das herbeigesehnte Paradies zu erreichen, in welchem dann vielleicht nicht alles, aber doch zumindest irgendwas irgendwie besser wäre.
Da bilden sich dann eben so hübsche Gruppen wie Christen, Sozialdemokraten, Gewerkschaftler, Hippies, Anarchisten, Liberale, Nationalisten, Kommunisten, Transhumanisten und all deren zigtausende Über-, Unter- und Intergruppierungen in verschiedensten Abstufungen, die selbstverständlich die einzig wahrste Wahrheit gefunden oder sich in endlosen Kompromissen verrannt, aber allesamt nur das Beste für die Menschheit im Sinne haben. Dass solche Bestrebungen stets zur allgemeinen Zufriedenheit glückten, sollte wohl allgemein bekannt sein.
Statt nun aber zu resignieren, werden die Gründe für das eigene Versagen oder das bisherige Scheitern der Umsetzung des herrlichen Paradieses an etwaigen finsteren Mächten, falschen Zeitpunkten oder inkonsequenter Durchsetzung ausgemacht. Manchmal findet man den geeigneten Sündenbock auch bei einzelnen Individuen oder schlicht in allgemeinen Kapitalinteressen, womit man dem tatsächlichen Problem für die Umsetzung des doch so technisch präzise geplanten Paradieses zumindest einen Schritt näher kommt – jedoch noch meilenwert entfernt ist.
Entscheidend ist hierbei allerdings, über die Verteufelung des oft als jederzeit re-konzeptionierbar angesehenen ökonomischen Regelwerkes hinauszugehen und die Ursachen zu begreifen, weswegen dieses Regelwerk gerade so beschaffen ist (vielleicht sogar so beschaffen sein muss), wie man es heute in seiner Art und Weise vorfindet. Dazu dient vor allem die vergleichende Analyse historischer anthropologisch-soziologisch-ökonomischer Zusammenhänge, die u.a. dazu führt, einen Großteil der bekannten, v.a. auf Logik und Systemik beruhenden, idealistischen Vorstellungen, die man zunächst als vermeintlich konstruktiv angenommen hat, als das zu entlarven, was sie sind: ermüdende Träumereien.
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