:: Party für Reiche ::

· tar, den 31.10.07 in Deutschland, Europa, Krise, Liberalismus, Soziales, Wirtschaft

Quelle: spiegel.de

Über Jahre hinweg haben die Notenbanken die Welt mit billigem Geld überschwemmt - und damit die Wohlhabenden noch wohlhabender gemacht. Jetzt droht die Inflation. Und die macht die Armen ärmer.

Wirtschaftliche Not kündigt sich an den Börsen an. Jede Stagnation, jeder Abschwung und jede Rezession geht mit fallenden Aktiennotierungen einher, oft sogar mit einem Absturz. Schwarzer Freitag heißt das dann, wie im Jahr 1929, oder Schwarzer Montag, wie 1987.

Manchmal aber schickt das Unheil als Vorboten ein Kursfeuerwerk. Axel Weber, Chef der Bundesbank und Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), weiß das. Misstrauisch beobachtet er seit einigen Monaten die steil nach oben zeigenden Kurven der internationalen Wertpapier-Indizes, vor allem an den Warenterminbörsen.

Frühjahrsweizen beispielsweise, gehandelt an der Getreidebörse in Minneapolis, hat sich seit Mai von 5,50 Dollar pro Scheffel - etwa 35 Liter - auf 9 Dollar verteuert. Vor einem Jahr kostete das Getreide nur 4,60 Dollar pro Scheffel, ein Plus von fast hundert Prozent.

Der Preis von Mais und Sojabohnen ist binnen Jahresfrist an den wichtigsten Handelsplätzen um bis zu 70 Prozent gestiegen. Auch viele Metalle, Bauholz, Kautschuk, Wolle und andere Rohstoffe, die für Konsumartikel relevant sind, steigen seit Monaten stetig an. Weitere statistische Daten und Preisentwicklungen lassen ebenfalls nichts Gutes ahnen. Und außerdem übersteigt der Ölpreis immer neue Rekordmarken.

Am vergangenen Sonntag schlug Weber Alarm. "Als Notenbank machen wir uns in der Tat Sorgen", sagte der Geldpolitiker. "Was beunruhigt, ist der Anstieg der Preise auf breiterer Front, also nicht nur bei Energie und Nahrungsmitteln. Bis zum Jahresende könnte die Inflation auf drei Prozent steigen." Das wäre der größte Preisschub sei 14 Jahren...



Kommentare:

  • Ernährung wird zum Luxusgut

    Das, was sich jetzt in den kommenden Monaten als massive Preiserhöhungen niederschlagen wird, ist die Folge einer Inflationsentwicklung, ausgelöst durch das Spekulationsdesaster deutscher Finanzeliten. Sie sind die Verantwortlichen für die Bankenkrise in Deutschland.

    Damit die Banken in Deutschland vor einer Liquiditätskrise, sprich Pleite, geschützt werden können, fließen zig Milliarden Euro aus der EZB (Europäische Zentralbank) in prekäre Kreditinstitute. Allein in den letzten 14 Tagen etwa 240 Milliarden Euro. Und da dieses Geld schlichtweg nicht vorhanden ist, hat man einfach die Druckmaschinen angeworfen(!). Gedrucktes Papier ohne Deckung.

    Die Preissteigerungen auf dem Lebensmittelsektor sind erst der Anfang und der Beginn einer epidemisch sich ausbreitenden Preis-Hausse, auch im sogenannten Non-Food-Bereich.

    Das volle Ausmaß der Finanzkrise wird erst im kommenden Jahr richtig deutlich. Und dann aber auch wirklich jedem; denn die Lebensmittelpreise werden vergleichbar mit denen der Steigerungraten auf dem Energiemarkt. Für viele bedeutet das schlichtweg, daß sie sich Lebensmittel nicht mehr wie gewohnt werden leisten können. Unterversorgung und Mangelernährung für ärmere Schichten werden zur Regel werden.
    Was jetzt vielen vielleicht wie "Kaffeesatzleserei" oder chronischer "Zweckpessimismus" erscheinen mag - wer Recht hat, wird sich sehr bald und sehr schnell herausstellen.

    Allein in den letzten zwei Jahren wurde Weizen um fast die Hälfte teurer. Die Getreidenotierungen werden hoch bleiben und sogar weiter steigen, meinen OECD und Welternährungsorganisation (FAO) in einem am Mittwoch präsentierten Ausblick bis 2016.

    Konkret wird in der Untersuchung ein weiterer Preisanstieg bei Getreide um 20 bis 50 Prozent über die nächsten zehn Jahr vorausgesagt, weshalb Ökonomen bereits von einer "agflation" ( anm.: Agrar-Stagflation) sprechen. Von dieser Entwicklung werden die ärmeren Staaten sowie die Bewohner von Großstädten besonders betroffen sein, heißt es in dem Bericht. Erstes Anzeichen für die sozialpolitische Sprengkraft dieser Agrar-Hausse waren heftige Straßenproteste gegen die Verdreifachung der Tortillas-Preise in Mexiko, die eine Folge der heftigen Mais-Zukäufe der USA waren. Die amerikanischen Farmer setzen massiv auf die Ethanol-Produktion und sorgen mit ihren Importen in den Nachbarstaaten für Knappheit.

    Mit der gleichen Strategie werden die Milchmengen hierzulande verknappt: Tonnenweise Milchpulver für China beispielsweise, die zu Schleuderpreisen dorthin verkauft wird. Die Margen-Differenz zahlt der deutsche bzw. europäische Verbraucher!

    Gar nicht glücklich mit dem Biosprit-Boom ist die Lebensmittelindustrie. "Das geht völlig in die falsche Richtung, weil Rohstoffe für die Energie- statt für die Nahrungsmittelerzeugung verwendet werden", meint Ernst Klicker, Geschäftsführer bei Unilever Österreich. Der Konzern verzeichnete allein im letzten Jahr bei Raps, das ja auch für Speiseöle verwendet wird, einen Preisanstieg von 15 Prozent. Die Verteuerung werde sich mit Sicherheit auf die Lebensmittelpreise auswirken, meint Klicker. Abgesehen davon bezweifelt er den postulierten ökologischen Nutzen der "grünen Energie": Der Wassermangel in vielen Gebieten werde durch den Anbau verschärft, in Ländern wie Brasilien die Abholzung des Regenwalds vorangetrieben. Und auch Fleisch wird wegen der steigenden Futtermittelpreise teurer.

    Trotz der nachteiligen Effekte der Biosprit-Herstellung ist der Trend nicht zu stoppen. Denn nun steigen zusehends Schwellenländer in die Ethanol-Produktion ein. Die OECD sagt für China eine knappe Verdoppelung der Ausbringung auf 3,8 Milliarden Liter im Jahr 2016 voraus. Auch in Indien wird trotz der Wasserknappheit massiv auf Ethanol gesetzt: "Wenn diese Länder voll einsteigen und große Mengen von den Weltmärkten aufsaugen, wird das die Situation verschärfen", erklärt Christian Gessl von der Agrarmarkt Austria. Er verweist freilich auf andere, positive Entwicklungen: Anstatt Getreideüberschüsse mit hohen Exportstützungen ins Ausland zu schicken, erfreuen sich die Landwirte bester Nachfrage und verdienen gutes Geld.

    Dass die ökologische Rechnung – insbesondere was den Klimaschutz anbelangt – aufgehen wird, bezweifelt auch die OECD.
    Laut ihrer Prognose wird der Anteil des Biosprits an den Treibstoffen in Europa lediglich auf 3,3 Prozent ansteigen und somit weit unter den Zielen der EU liegen. Und das, obwohl sich die Produktion von Ölsaaten (vor allem Raps) auf 21 Millionen Tonnen verdoppeln wird.
    Unilever-Mann Klicker sieht seine Kritik in diesem Ausblick bestätigt: "Selbst wenn man das gesamte Brachland zur Biosprit-Produktion verwenden würde, sind die Ziele zur erneuerbaren Energie nicht erreichbar." (aus, DER STANDARD (Österreich), Print-Ausgabe, 05.07.2007)

    Hinzu kommt, daß Lebensmittel als Spekulationsobjekt jüngst auch von Investmentspekulanten (Hedge-Fonds) entdeckt worden sind. Diese Gier wirkt wie ein Treibsatz auf die Lebensmittelpreise. An der Warenterminbörse in Chicago werden die Rohstoffe - wie Weizen und Ölsaaten zum Beispiel - als Spekulationsobjekt auf die Zukunft gehandelt; will heißen, daß man auf Preise spekuliert, die eine Tonne Weizen im nächsten Monat, nächsten halben Jahr z.B. kosten wird. Und da man weiß, daß die Biospritproduktion eher zu-, als abnehmen wird, rechnet man von Intervall zu Intervall mit höheren Preisen.

    Binnen eines Jahres hat sich der Preis für das Getreide in etwa verdoppelt.
    Die Kombination aus verstärkter Nachfrage von Entwicklungsländern, steigenden Bevölkerungszahlen, wetterbedingter Beeinträchtigung der Ernte und großer Getreidenachfrage der Biogas-Industrie wird auch in Zukunft zu Preiserhöhungen führen. Wegen der gestiegenen Rohstoffpreise rechnet auch die deutsche Lebensmittelbranche (Unilever) mit höheren Preisen, etwa bei Nudeln oder Brot. Wir erleben zur Zeit lediglich die Ouverture zur ansteigenden Preisspirale.

    Daß dies auch für Unruhe bei den Vordenkern für innere Sicherheit, Schäuble, Bosbach und Co. führt, sieht man an den vielfältig werbenden Aktivitäten in Sachen "Online-Durchsuchung". Möglich, daß man in Sicherheitskreisen für die Zukunft mit massiven Unruhen in Teilen der Bevölkerung rechnet. Der islamische Terrorismus allein ist es sicher nicht - ganz sicher nicht!
    Peter Christian Nowak
    ...


  • die tender der ezb werden aber nach einer gewissen zeitspanne zurückgezahlt, sogar samt zinsen. dabei handelt es sich auch schlicht um buchungen, wobei überhaupt nichts gedruckt wird.

    die frage, ob es nun inflation oder deflation gibt oder geben wird, ist ebenso nicht hundertprozentig geklärt. für eine inflation müssten die gehälter mitsteigen, ansonsten bleibt es schlicht eine teuerung und könnte damit auf dauer eine deflation werden, weil die menschen eben jeden euro nur einmal ausgeben können.

    wenn allerdings tatsächlich die ganzen spekulationsblasen auf den realmarkt überschwappen und irrsinning geld gedruckt werden sollte (was ich bezweifle), dann könnte es tatsächlich zu einer inflation kommen. doch dann sollte man bedenken, dass mit dieser inflation auch jegliche schulden (kredite) wertlos gemacht und die banken sich ein eigentor schießen würden ;)


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