:: Jeder durfte mal Millionär sein ::

· tar, den 07.07.08 in Deutschland, Geschichte, Krise, Politik, Probleme, Soziales, Wirtschaft

Quelle: faz.net

Auf dem Speicher von Opa Brennecke waren wir Millionäre. Der freundliche Nachbar erlaubte uns Kindern das Herumstöbern in seinen Kisten und Koffern. Und neben der furchterregenden Gasmaske aus dem Weltkrieg war die Kiste mit den Geldscheinen aus den Zwanziger Jahren die dollste Attraktion. Die riesigen Beträge, die auf den achtlos verstauten Banknoten standen, heizten unsere Phantasie an. Was konnte man nicht alles für eine Million Mark kaufen oder gar für eine Milliarde?

Nicht viel - jedenfalls nicht in der Zeit, als die Reichsmarkscheine gültig waren. Zu Beginn der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wirbelte eine rasante Geldentwertung die deutsche Gesellschaft durcheinander. Wer sein Leben lang gespart und Staatsanleihen gezeichnet hatte war ebenso verarmt wie Rentner und Beamte. Reich wurden alle, die Sachwerte besaßen.

Karren voller wertlosem Papiergeld

Auf dem Höhepunkt der Hyperinflation zogen die Arbeiterfrauen mittags mit dem Handkarren in die Fabriken, um den Lohn ihrer Männer abzuholen und ihn für Lebensmittel auszugeben. Den Karren brauchten sie nicht etwa, weil es so viel Gemüse und Brot zu kaufen gegeben hätte, sondern weil das Papiergeld trotz der in die Billionen gehenden Nennwerte so wenig wert war, dass man selbst für kleine Einkäufe mehr Geld braucht, als ein Mensch tragen kann. Ende 1923 lohnte es sich gar, das nahezu wertlose Papiergeld zu verheizen oder als Altpapier zu verwenden...




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