:: Hungerkrise: Nicht nur eine Folge der Börsenspekulation ::

· tar, den 23.07.08 in Amerika, Börse, Europa, Fernost, Krise, Liberalismus, Politik, Probleme, Soziales, Wirtschaft

Quelle: rsb4.de

Wenn sich heute Weltwährungsfonds und Weltbank Sorgen um die „Ernährungskrise“ machen, dann deshalb, weil sie Angst vor den Hungerrevolten und den politisch wie wirtschaftlich unkalkulierbaren Folgen haben. Dass Zeitpunkt und Ausmaß der aktuell so dramatischen Lage in erster Linie an den Strukturanpassungsprogrammen liegen, die von diesen Institutionen durchgedrückt wurden und werden, möchten sie gerne vergessen machen.

Sie führen die aktuelle Krise lediglich auf die Auswirkungen zu freier Kapitalbewegungen und auf den Einfluss der Spekulanten zurück. Die Zusammenhänge sind komplexer und sind nicht nur ein Ergebnis von Spekulationen an der Chicagoer Warenterminbörse.

Erstens sind in den vergangenen Jahren Millionen von Bauern/Bäuerinnen in den Ruin getrieben worden, weil die heimischen Märkte für Nahrungsmittelprodukte aus den Industriestaaten geöffnet wurden und sie dieser (meist subventionierten) Konkurrenz nicht standhalten konnten. Landwirtschaftliche Flächen wurden aufgegeben und verödeten, Bäckereien mussten schließen, weil über Hilfslieferungen Fertigprodukte geliefert wurden und so die Existenz dieser KleinproduzentInnen unterminierten usw. Das Freihandelsabkommen, das beispielsweise 2007 zwischen den USA und Mexiko abgeschlossen wurde, öffnet den mexikanischen Markt noch mehr für die Agrarindustrie der USA, was das Ende vieler MaisproduzentInnen in Mexiko zur Folge hat. Jetzt herrscht dort absoluter Mangel an diesem Grundnahrungsmittel und Mexiko muss für $ 10 Milliarden subventionierte Nahrungsmittel in den USA kaufen. Auch die Artenvielfalt geht dabei verloren, ganz zu schweigen von der wachsenden Abhängigkeit vom Saatgut der Genmanipulierer Monsanto und Konsorten. Die EU ist da nicht besser: Sie subventioniert jährlich mit 1,4 Milliarden € Konzerne, die ihr Fleisch, Eier, Zucker usw. in die ganze Welt verkaufen. Unter anderem an die Hilfsorganisationen, die dann mit Steuergeldern oder Spenden diese Produkte abkaufen und in die abhängigen Länder liefern – mit den oben beschriebenen zerstörerischen Folgen für die lokale Produktion...




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