Viele (zumindest oberflächlich) positiv gemeinte Weltverbesserungskonzepte scheitern leider bereits in ihren Ansätzen, da sie elementare Teile der Realität entweder nicht kennen, als unwesentlich erachten, nicht wahrhaben wollen und damit vorsätzlich ausblenden oder per Dekret einer zwangsverordneten Veränderung unterwerfen wollen. In welcher Form dies auch immer umgesetzt wird, es wird vom Verfasser meist nicht bewusst wahrgenommen, dass man sich in ideologische, voreingenommene Scheinwelten begeben hat, die sich in der Realität nicht umsetzen lassen können, weil sie grundlegenden Abläufen und Zusammenhängen widersprechen. Interessant ist hierbei allerdings, dass die Realität selbst aus zahllosen Widersprüchlichkeiten besteht, mit denen man sich allerhöchstens arrangieren, sie aber nicht aus der Welt schaffen kann – wiederum mit der Folge, dass ein etwaiges Utopia, das diese Widersprüche nicht zur Kenntnis nimmt, ein feuchter Traum bleibt.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist, dem bequemen Pfad der Ideologie wieder zu entkommen, wenn man ihn einmal beschritten hat und möchte daher eine Empfehlung abgeben, dass man sich Themen wie dem Verständnis von Wirtschaft, Geld und dem herrschenden Finanzsystem, der Sozialen Frage und dergleichen eben nicht von einem rein systemisch-zusammenhängenden Blickwinkel nähern sollte. Hier braucht es eine historisch vergleichende Sichtweise, die nicht nur die Systematik vorhandener Strukturen analysieren, sondern sich insbesondere deren Entwicklung betrachten muss, um damit die Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Formen sozialer Strukturen zu lenken. Diese führen überdies zu verschiedenen Arten der Religions- und Machtausübung und folglich divergierenden Distributionstypen. Mit dem Erkennen der Ursachen, die zur Entstehung der jeweiligen sozialen Strukturen führten, versteht man die Hintergründe rechtlicher Komponenten, die bspw. eine Feudalgesellschaft oder eine bürgerliche Gesellschaft voneinander unterscheiden. Damit einhergehend ist unbedingt eine eindeutige, abzugrenzende Begriffsbestimmung notwendig, um u.a. nicht aneinander vorbei zu reden. Erst anhand solcher Analysen – und genau darum geht es – kann man ein sinnvolles IST-SOLL-Konzept erstellen und es zielführend auf etwaige Schwachstellen untersuchen, ohne sich dabei in unrealistischen Wunschvorstellungen zu verlieren. Erst dann wird überhaupt eine konstruktive Debatte ermöglicht.
Dieser Weg dauert mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Zeit und ist dennoch effizienter, als bspw. Jahre damit zu vergeuden, sich durch die unterschiedlichen nationalen ökonomischen Schulen und ihre jeweiligen Geldansichten (neoklassisches Tauschparadigma, marxistische Arbeitswerttheorie, Quantitätstheorie von Fisher und Friedman samt monetaristischer Geldmengenbetrachtungen, österreichisches Privatgeld, Freigeld durch Negativzinsen, sogenanntes „Vollgeld“, …) zu wühlen, nur um letztlich ggf. zur selben Erkenntnis zu gelangen, nämlich dass es ohne allgemeingültigen rechtlichen Rahmen überhaupt kein Geld (besser: Kreditbeziehungen) und eben auch keinerlei Markt geben kann und dieser rechtliche Rahmen samt zugehöriger Abgabenpflicht mit Sanktionsandrohung aufgezwungen wird – von Machthabern, Waffenhaltern, Eigentümern – gar der Kollektive selbst.
Zu dieser Erkenntnis gelangt man dann aber auch nur, wenn man sich einmal von den vorher eingetrichterten Dogmen befreien kann und den Gesamtzusammenhang beleuchtet oder sich einfach nicht länger in die eigenen Taschen lügt. In diesem Zusammenhang wäre es einmal interessant, sich mit kognitiver Dissonanz zu beschäftigen, deren Überwindung dann besonders schwer ist, wenn man für bestimmte Überzeugungen bezahlt wird oder hat.
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