von Axel
Es muss zwischen Zentralbankgeld und Bankengeldunterschieden werden. Erst dann erklärt sich alles.
Hierzu der Artikel von Raimund Brichta (n-tv)
Der Artikel ist lang und inhaltlich sehr gut geschrieben. Wer das liest, sollte es 2-mal lesen und besser noch ein 3. Mal (ausser diejenigen, die es schon länger wissen).
Dennoch hierzu ein paar Detailvorgänge.
Zentralbankgeld
... sind das Bargeld und die Giralkonten der zugelassenen Institute bei der Zentralbank. Diese Konten sinken oder steigen, wenn ...
1. ... eine NichtBank Bargeld anfordert, das erst von der GB „abgehoben“ werden muss
2. ... eine Nichtbank Bargeld zur Bank trägt und die Bank es bei der Zentralbank einzahlt
3. ... eine Überweisung zwischen 2 Banken durchgeführt wird.
4. ... im Rahmen der Offenmarktgeschäfte die ZB etwas kauft oder verkauft
ZB-Geld verbleibt in der Zentralbank, es dient nur zur Verrechnung der Tagessalden der Überweisungen zwischen Kreditinstituten.
Bankengeld
... sind immer nur Zahlen auf einem Konto. Diese Zahlen sind ein Anspruch auf Zentralbankgeld. Dieser Anspruch kann durch Überweisung an einen weiteren übertragen werden.
Dabei können folgende Fälle eintreten:
1. es wird ein neuer Geldanspruch (=neues Bankengeld) erschaffen
Konto 1 geht ins Minus und Konto 2 weist einen positiven Betrag auf (ein Kontokorrentkredit)
2. es wird ein Anspruch auf ZB-Geld verschoben
Konto 1 geht ist Plus und Konto 2 hatte einen positiven Betrag
3. das Bankengeld verschwindet
Konto 1 bleibt positiv und Konto 2 war negativ und bleibt negativ (oder wird null)
Hä??? Einmal nachdenken. Nichtbank 1 hat 1.000 und überweist davon 400 an NB 2 mit Kontostand -500.
Nun hat 1 noch 600 und 2 hat -100. Wo sind die 400? Niemand hat sie mehr, bei der Bank sind die auch nicht, es liegt eine Bilanzverkürzung vor
Es dreht sich bei Geld immer nur um Zentralbankgeld, hier liegt der Schlüssel zum Verstehen der „Finanzkrise“.
GB-Geld einer Bank verbleibt innerhalb dieser GB. Es dient nur zur Verrechnung der Tagessalden zwischen den Konten der einzelnen GB-Konten. Jede Bank schafft ihr eigenes Geld.
Dieses Geld ist Anspruch auf ZB-Geld und kein ZB-Geld selbst.
Transfers von GB-Geld einer GB an eine andere GB erfolgt mit ZB-Geld. Ist der Tagessaldo zwischen 2 Banken zufällig exakt Null, dann ist es so, als wenn alle Überweisungen innerhalb der GB stattgefunden hätten.
GB-Geld der einen Bank kann in einer anderen Bank keine Einlage werden. Das in gleicher Höhe mitübertragene ZB-Geld ist die "Einlage". Es wird ein Anspruch auf ZB-Geld übertragen zusammen mit ZB-Geld in gleicher Höhe.
ZB-Geld und GB-Geld sind vollständig voneinander getrennt.
Bargeld
... ist ZB-Geld, das außerhalb von ZB und GB existiert. Der Weg bis zum Bargeld im Geldbeutel geht über die Kreditgewährung in einer GB, der Geldanspruch entsteht. Die GB nimmt einen Kredit bei der ZB auf.
Wird Bargeld angefragt, dann wandelt holt die GB Bargeld von der ZB und kann es auszahlen. Eigenes Geld kann die Bank nicht umlauffähig herausgeben, dazu müßte sie ihr eigenes Geld drucken, was die GB nicht darf.
Wann ist eine Bank insolvent?
Die Insolvenz tritt ein, sobald die Bank nicht mehr über ausreichend ZB-Geld verfügt. Das tritt dann ein, sobald mehr Überweisungen auf anderen Banken und/oder Bargeld ausgezahlt wird, als die Bank als ZB-Geld zur Verfügung hat bzw. noch beschaffen kann durch Hinterlegung zentralbankfähiger Sicherheiten.
Eine Bank ist also dann insolvent, wenn sie mehr ZB-Geld benötigt, als sie an ZB-Guthaben hat, gleichzeitig keine "zentralbankfähigen Sicherheiten" mehr besitzt und andere Banken ihr nicht mehr mit ZB-Darlehen aushelfen.
Es könnte zwar noch Überweisungen innerhalb der Bank durchgeführt werden, wenn die nur nicht schon am frühen morgen geschlossen worden wäre...
Insolvent heißt nur zahlungsunfähig, das bedeutet noch lange nicht, das die Bank auch Pleite ist.
Wann ist eine Bank pleite?
Die Pleite einer Bank wird durch die Bilanzbetrachtung herbeigeführt. Die Bank hat Kredite und sonstige Guthaben in Form von „Wertpapieren“. Auf der andern Seite hat die Bank Schulden in Form von positiven Sichtguthaben, Spareinlagen und andern Ansprüchen von dritten.
Wenn die „Wertpapiere“ an Wert verlieren, dann sinkt die Guthabenseite der Bank. Die Konsequenz ist das Sinken des Eigenkapitals. Wird das Eigenkapital massiv negativ, dann tritt der Konkurs ein. In diesem Fall ist die Bank noch solvent mit Zentralbankgeld aber leider pleite. Es könnte auch massiv Kredite platzen, das hat die gleiche Wirkung.
Der Normalfall ist allerdings, das zeitgleich mit der Abwertung der Bank“guthaben“ auch viele Nichtbanken als auch Banken, die noch eine „Einlage“ bei der Bank haben diese Einlage auflösen. Das wiederum muss mit ZB-Geld durchgeführt werden. Und schwups, schon ist die auch noch insolvent.
Die Zentralbankgiralkonten und Bankgiralkonten sind vollkommen entkoppelt.
Die Zentralbank akzeptiert minderwertige Sicherheiten um darauf einer Bank Kredit in Form von Zentralbankgeld einzuräumen. Das ZB-Geld landet dann auf anderen Bankkonten bei der Zentralbank. Es kann nirgendwo anders hin. Außer: Es wird als Bargeld abgeholt.
Nun wird vielleicht klar, warum Zentralbankgeld nichts in der Realwirtschaft kaufen kann. Es verbleibt innerhalb der Zentralbankkonten und diese Konten haben nichts mit den Konten (der NichtBanken) bei den Geschäftsbanken zu tun. Diese beiden Arten Giralgelder sind vollkommen voneinander getrennt.
Wenn es dann heißt, die Zentralbank stellt „Unmengen“ von Liquidität zur Verfügung, dann sind das nur Verrechnungseinheiten zwischen den Kreditinstituten. In der Realwirtschaft kommt davon keine einzige Geldeinheit an.
Und nun nochmal zu der Link zu dem Artikel Geld ist nicht gleich Geld
Wer sich durch diesen Artikel durchbeißt, der wird in Zukunft viel Fragen nicht mehr haben und sich über viel Aussagen unserer offiziellen Finanzexperten in den Medien sehr wundern.
Und überlegt mal, welches Schwachfug auf der Hartgeldseite verbreitet wird, wenn die mal wieder die Zentralbanktender in hunderte Mrd Höhe als inflationär bezeichnen. Es ist nur Zentralbanlgeld in Form von Zahlen auf den Zentralbankkonten.



