Die Irrlehre vom Buchgeld
Die Tatsache, daß man mit Geldguthabenübertragungen auch Waren und Leistungen bezahlen kann, hat neben der Unklarheit, was Geld überhaupt ist, echte wissenschaftliuche Arbeit und experimentale Überprüfung in der Volkswirtschaft bisher verhindert. Da wird über Nebensächlichkeiten wie die Entstehung des Geldes aus dem sogenannten Warengeld spekuliert und die Unvereinbarkeit der Geldfunktionen Wertaufbewahrungsmittel und Zwischentauschmittel scheint niemand zu beachten.
Alle Geldersatzmittel und auch das sogenannte Kreditgeld sind aber die Folge dieser Zwitternatur des Geldes, die verursacht, daß Geld nur sehr selten (20 bis 30 mal im Jahresdurchschnitt) als Zahlungsmittel verwendet wird. Würde man dem Geld Beine machen indem man Kosten für nicht als Tauschmittel verwendetem Geld berechnet, wären alle diese Geldersatzmittel überflüssig. Das auf dem Markt umlaufende Bargeld allein könnte ohne weitere Kosten alle derzeit verwendeten Geldersatzmittel, deren wirkliche Kosten viel höher sind als offenbar ist, vom Markt verdrängen. Bargeld kann ohne weiters mehrmals am Tag seinen Besitzer wechseln, wenn eine Gebühr verhindert, daß es vom Markt verschwindet. Diese Gebühr hätte die Wirkung die das Standgeld für Eisenbahnwagen hat. Dieses Standgeld hält die Wagen am Rollen und eine Gebrauchsgebühr würde das Geld rollen lassen.
Genau so wie das Standgeld im Vergleich zum Wert der bewegten Güter in den Eisenbahnwagen eine minimale Größe ist, wäre es bei so einer Gebühr. Experimente haben gezeigt, daß so ein Geld in einem lokalen Markt 30 mal und mehr am Tag seinen Besitzer wechseln konnte, wobei jeder Besitzwechsel gleichzeitig die Bezahlung einer Waren oder Leistungsübertragung war.
Das heißt, daß so ein Geld tausend mal wirksamer als Tauschmittel sein kann als unser heutiges. Diese Größenordnung beachten und erkennen die sogenannten Buchgeldfreiwirte nicht und statt durch Experimente nachzuweisen, daß umlaufgesichertes Bargeld alle notwendigen Zahlungen spielend ganz allein und ohne jegliche Geldersatzmittel durchführen kann, versuchen sie Methoden zu entwickeln, wie man das Bargeld abschaffen könnte.
Damit stellen sie sich vollständig auf die Seite der heutigen Herren des Geldes und werden alle Auf- und Abbewegungen des Geldwertes mitmachen müssen samt den durch die Wirtschaftsprobleme verursachten Kriegen.
70 Jahre sind seit dem Ende des Experiments von Wörgl vergangen und alles was man von den Buchgeldfreiwirten hört, wenn man ein ähnliches und verbessertes derartiges Experiment vorschlägt, ist, daß so etwas heute wegen des viel mehr verwendeten Buchgeldes nicht mehr funktionieren würde.
Wenn aber umlaufgesichertes Bargeld nachgewiesenerweise tausend mal schneller umlaufen kann, heißt das im Umkehrschluß, daß man sehr wenig solchen Geldes braucht um das andere Geld samt seinen als Zahlung verwendeten Geldübertragungen zu ersetzen. In Wörgl fand man das Auslangen mit etwas mehr als 5000.- Schillingen im Durchschnitt. Ein Schilling pro Wirtschaftsteilnehmer ersetzte das verschwundene Nationalbankgeld. Da heute das Nationalbankgeld noch nicht vollständig vom Markt verschwunden ist und auch das Giralgeld noch teilweise vorhanden ist, braucht man vielleicht nicht einmal so viel, um eine
merkbare Wirtschaftsbelebung zu erreichen.
In den U.S.A. ist der Buchgeldanteil der Geldmenge in den Jahren seit 1994 auf ein Viertel zurückgegangen während der Bargeldanteil um zwei Drittel gestiegen ist. Das ist der Beweis, daß mit abflauender Konjunktur das Buchgeld nicht das Bargeld ersetzt, wie es die Buchgeldleute behaupten und die gleichzeitige Zunahme von Bargeld widerspricht auch ihrer Behauptung von der Bedeutungslosigkeit des Bargeldes und seinem baldigen gänzlichen Verschwinden.
Wir sollten nicht Ursache und Wirkung verwechseln aber es scheint sicher zu sein, daß der Rückgang des Buchgeldes die Wirtschaftsflaute der letzten Jahre maßgeblich verursacht hat und auch die gleichzeitige Vermehrung des Bargeldes die Konjunktur nicht wieder beleben konnte. Ein Zusammenhang ist jedenfalls nicht abzustreiten. Beim Buchgeld sprechen auch die Mengenzahlen eine Sprache während es beim Bargeld nicht augenscheinlich ist, weil der Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit erst nachträglich festgestellt werden kann. Dasselbe gilt auch für die (viel geringere) Umlaufgeschwindigkeit des Buchgeldes. Hier ist die Sache nur viel deutlicher, weil sich da auch die Menge verändert, was beim Bargeld nicht der Fall sein muß. Da verändert sich nur die geringe Teilmenge, die auf dem Markt wirksame Nachfrage hält und niemand kann sagen wie viel das ist.
Relativ stabiles Preisniveau oder sinkende Preise und dadurch sinkende Gewinne im Großhandel führen dazu, daß dort weder Eigenkapital noch Fremdkapital investiert wird.(Investiert werden kann.) Das drückt dann die erzielbaren Kapitalmarktzinsen und führt letztendlich zum Geldstreik.
Mit unserem heutigen Geld ist dieser Streik nicht zu brechen. Auch nicht mit Hilfe von Bargeldersatz wie es das Buchgeld ist. Im Gegenteil. Wie sich wieder einmal beweist, wirkt das Buchgeld tendenzverstärkend in beiden Richtungen. Es verstärkt die Inflation durch seine Vermehrung und es verstärkt die Deflation durch sein Verschwinden. Bei generell verwendeten Freigeld müssen die Banken Kosten für des Buchgeld verrechnen und daher wird es weitgehend bedeutungslos werden und verschwinden.
Bei der Einführung von Freigeld als Warengutscheine durch die Kaufleute haben die Geschäftsbanken auch nicht mehr die Möglichkeit sich Geld von der Notenbank zu holen und müssen daher wesentlich mehr solche Gutscheine in der Kassa halten als heute. Die Kosten dafür müssen sie als Gebühren auf die Girokonten umlegen.
Vielleicht sollten wir noch erwähnen, daß auch unser heutiges Geld nur deshalb etwas wert ist, weil wir es als Monopol-Warengutscheine verwenden. Ohne dem wäre es nichts wert.







