Betriebe in einer Freigeldinsel
Bisher wurden die betriebswirtschaftlichen Folgen in einer Freigeldinsel noch nie behandelt, weil keiner der Freigeldleute ja an eine regionale Einführung dachte. Gesell selber behandelte zwar einiges im Zusammenhang mit einzelnen Staaten, die die Freiwirtschaft eingeführt haben und ihrem Verhältnis zu denen, die es noch nicht getan hätten, aber auch er dachte nicht an eine regionale Einführung von Freigeld allein als paralleles Tauschmittel innerhalb eines Staates. Solche Experimente entstanden erst nach seinem Tod.
Nun, was würde passieren, wenn in einer Freigeldinsel ein wesentlicher Teil des Handels mit Hilfe von alternativem Freigeld abgewickelt würde? Erstens würde dadurch die Wertlosigkeit des anderen Geldes offenbar und bald würde der gesamte Handel mit Freigeld getätigt werden. Da man mit Freigeld keinen Zins erpressen kann, würden die Finanzierungskosten der Betriebe auf die reine Amortisation des angelegten Sachkapitals absinken, was ein gewaltiger Kostenvorsprung gegenüber der Konkurrenz von ausserhalb der Freigeldinsel ist.
Die Kostenersparnis in den Betrieben würde sich in zwei Beziehungen bemerkbar machen. Da würde zuerst einmal der Arbeitsertrag entsprechend steigen und zwar sowohl der Arbeitsertrag des Unternehmers als auch der seiner Mitarbeiter und zweitens könnte man durch Reduzierung der Preise die Umsätze steigern. Beides zusammen würde den Betrieben innerhalb einer Freigeldzone einen derartigen Konkurrenzvorteil geben, dass es alle Vorstellungen übertreffen wird. Die besten Arbeiter werden durch die höheren Löhne in diese Betriebe aus dem ganzen Land gezogen werden und die tüchtigsten Unternehmer ebenfalls.
Was die dann schaffen können mit günstigen Krediten, ist unvorstellbar. Entwicklungen, wie freie Energie werden eine Frage von kurzer Zeit sein. Erfindungen aller Art werden Geld für ihre Verwirklichung finden. Und niemand wird die Lebensqualitát in der Freigeldinsel durch zinsbedingten Raubbau der ökologischen Basis dulden. Im Gegenteil. Die Leute werden Bäume pflanzen statt sie zu fällen, um mit dem Erlös drängende Schulden zu bezahlen. Sie werden ja keine Schulden mehr haben. Erinnert euch, die sind ja mit dem alten Geld zusammen wertlos geworden.:-)
Eigenartigerweise machte sich das sogar schon in der kurzen Zeit von Wörgl bemerkbar, wo die Leute das Wörgler Geld dazu benútzten um ihre Häuser zu verschönern und Bäume zu pflanzen. Freigeld fördert langfristiges Denken. Man muß nicht schnell etwas zu Geld machen, um die Zinsen zu bedienen. Man braucht dafür auch nicht die Regenwälder abholzen.
Vergeßt nicht, die Schulden in wertlosen Dollars sind ja dann verschwunden. Das wird viel schneller gehen, als wir heute denken. Gesell sprach noch von einer Generation bis der Zins auf 0 gesunken ist, aber er dachte nicht an die technische Entwicklung, die heute Sachkapital über Nacht aus den Boden stampfen kann. Wir haben jetzt schon so viel davon, daß es die vom Geldkapital verlangte Rendite nicht mehr bringen kann.
Der Geldzins kann daher nicht mehr bedient werden und das Geld streikt. Da Freigeld nicht streiken kann, wird in Freigeldgebieten die Wirtschaft florieren, wie es sich selbst im kleinen Wörgl gezeigt hat.







