Dezentralbanken
Bei den modernsten Freigeldexperimenten gibt es nicht nur einen Herausgeber, sondern viele. Es ist auch nicht wirklich Geld, das diese herausgeben sondern Warengutscheine. Diese werden nur dadurch zu Tauschmitteln, weil die Herausgeber mit Hilfe eines Vereins einen allgemeinen Wert dieser Gutscheine festlegen und diese Gutscheine auch gegenseitig akzeptieren. Sie werden dadurch unter allen Akzeptanten zum anerkannten Tauschmittel mit einem vom Verein veröffentlichten Wert und bei Veränderung des Wertes der parallel umlaufenden Landeswährung einem vom Verein verlautbarten Wechselkurs. Manche Regioinitiativen setzen von Anfang an so einen Wechselkurs fest, damit sich die Teilnehmer daran gewöhnen, daß es sich bei den Gutscheinen nicht um eine Abart der Lande3swährung handelt.
Jeder Gewerbetreibender, der solche Gutscheine herausgibt, verpflichtet sich auch die Gutscheine der anderen als Zahlung für seine Waren anzunehmen. Die Preise seiner eigenen Waren kann er dabei aber frei bestimmen. Allerdings wird er sich an die Preise seiner Konkurrenten anpassen müssen.
Der Verein sorgt nur dafür, daß kein Teilnehmer zu viele Gutscheine herausgibt und damit ihre Kaufkraft zerstört. Es wird auch im eigenem Interesse niemand einfallen zu viele Gutscheine auszugeben, denn er kann damit nur beschränkt von anderen damit etwas kaufen und wenn er zu viele Gutscheine hat, muß er dem Verein die 5% Gebrauchsgebür dafür zahlen.
So lange die Landeswährung noch ihren Wert hält, braucht der Wechselkurs nicht verändert werden und die Beobachtung des Konsumerpreisindexes genügt. Sollte der Wert der Landeswährung fallen, was durch Steigen des Indexes festgestellt werden kann, ist die Berechnung einer Wechselkursänderung zum reziproken Wert des Warenkorbes so einfach, daß sie ein Volksschüler machen kann.
Die Gutscheine sind damit ein lebendiger Index.
Nur für den Fall, daß die Landeswährung in einer Hyperinflation verraucht und ihr Konsumerpreisindex unbrauchbar wird, müssen eigene Preiserhebungen eines einfachen Warenkorbes gemacht werden.
Man muß dabei immer die Größenordnungen bedenken. Die Landeswährung wird nur zu einem sehr geringen Teil als Zwischentauschmittel für Arbeitserzeugnisse gebraucht. Sie läuft durchschnittlich in Zeiten von Stagflation oder Deflation nur 10 mal im Jahr um, während umlaufgesicherte Regiogutscheine auch 1000 mal und mehr umlaufen können. 1000 mal bedeuten ja nur drei Geldbewegungen am Tag. Auf einem lokalen Endverbrauchermarktplatz ist das selbst heute eine ganz normale Geschwindigkeit.
Da mit jedem Umlauf eine Ware vom Markt geräumt wird, ist die bewegende Kraft der Umlaufsicherung gigantisch, durch die solche Gutscheine die Arbeitserzeugnisse vom Markt räumen und damit Platz für neue Arbeitserzeugnisse schaffen können.
Das bedeutet aber auch, daß selbst ein regionaler Markt große Mengen von Waren vom Markt schaffen kann und dann sind selbst für die geringen Mengen der Landeswährung nicht mehr genügend Waren auf dem Markt und Geld mit zu wenig wertgebenden Waren ist es schnell.... wertlos.
Das kann sehr schnell geschehen, wenn es erst einmal einige Regionen mit umlaufgesicherten kaufkraftbeständigen Gutscheinen gibt und man soll daher eine Bindung an die Landeswährung vermeiden. Sie könnte nicht mehr schnell genug gelöst werden, wie es die Geschichte der Währungsexperimente gezeigt hat.
Wenn hier nie von einer Anpassung des Wechselkurses bei Deflation des anderen Geldes die Rede ist, hat das einen Grund. Erstens wird es kaum mehr eine Deflation über 3% im Jahr geben und das spielt bei einem reinen Zahlungsmittel keine große Rolle und zweitens wird bei Erfolg eines alternativen Tauschmittels ja die Deflation des anderen Geldes verhindert. Es wird also nie so eine Anpassung des Wechselkurses geben müssen. Nur eine bei Inflation des alten Geldes.








