Der Königsweg!
Vor kurzer Zeit kam mir die einfache Idee, wie man alternatives Freigeld in Umlauf bringen kann und ich wunderte mich, daß ich nicht früher darauf gekommen war und nachdem ich die Gogos entwickelt hatte, vorher verschiedene falsche Wege gegangen bin. Nun ist es mir klar. Ich sollte vorher andere Gogoinseln vorbereiten, damit ich nicht allein der geballten Macht der Opposition gegenüberstehen muß. Mir kam das sofort zum Bewußtsein als ich als ich die Reaktion der ersten Geschäftsleute auf meine neue Idee sah. Sie waren Feuer und Flamme dafür und hätte ich diese Idee von Anfang an gehabt, wären wir wahrscheinlich unvorbereitet in ein offenes Messer gelaufen.
Nun werden hoffentlich viele Gogoinseln fast simultan entstehen. Da bleibt der Opposition keine Zeit um zu reagieren. Viele Gogos werden ihre Monopolmacht untergraben und die wert gebenden blockierten Waren vom Markt wegkaufen. Eine einzelne Freigeldinsel wie Wörgl konnte unterdrückt werden, weil 5000 Gogos den Wert des Monopolgeldes nicht in Frage stellen konnten, aber was würde passieren mit 500.000 Gogos? Die wären als Parallelwährung ausreichend für eine halbe Million Teilnehmer. Das sind nur etwa 1% der heutigen Geldmenge und die wären durch die Warenlager der Herausgeber tausendfach überdeckt.
Nun, wie ist dieser Königsweg? Ganz einfach. Die Grundlage eines alternativen Tauschmittels ist der Kreislauf. An welcher Stelle des Kreislaufes man das Tauschmittel in Umlauf bringt ist unbedeutend. Daher soll man es dort in Kreislauf bringen, wo es am leichtesten ist und das ist durch zinsfreie Kredite an die Leute, die etwas für das Tauschmittel zu verkaufen haben. Kredit ist dabei vielleicht ein schlechter Ausdruck, denn die Herausgeber geben sich ja selber Kredit.
Sie haben sich ja schon bereit erklärt so ein Tauschmittel zu akzeptieren, weil das andere Tauschmittel nicht mehr im ausreichenden Ausmaß in ihre Kassen kommt. Käme ein anderes, wie Gogos, in die Kasse, müßten sie es auch weiter verwenden. Nun sind sie einfach die ersten, die es zinsfrei bekommen haben. Sie brauchen es nur weitergeben.
Tun sie das, um ihren Angestellten Teil ihren Lohnes damit zu zahlen, haben sie sich das andere Geld dafür erspart und können damit rechnen, daß die Angestellten anderer teilnehmender Geschäftsleute nun bei ihnen mit diesem Tauschmittel etwas kaufen. So beginnt der Tauschmittelkreislauf, der blockierte Waren und Leistungen vom Markt räumt.
Neue Gogoinseln kennen nun diesen Weg und werden daher dafür sorgen auch ihre Verwundbarkeit durch möglichst schnelle Ausbreitung zu verhindern. Dazu brauchen sie nur ihre Gogos, oder wie immer sie heißen in benachbarte Städten Gewerbetreibenden auch als zinsfreien Kredit anzubieten. So können schnell andere regionale Kreisläufe aufgebaut werden.
Wenn darauf geachtet wird, daß nahe gelegene Freigeldinseln denselben Wertstandard und Wechselkurs zur Landeswährung verwenden, würde das einen gegenseitigen Austausch erleichtern und diese Erkenntnis scheint auch bei Initiatoren anderer Freigeldinseln schon Fuß gefaßt haben.
So haben selbst eine halbe Welt entfernte Freigeldinseln denselben Wechselkurs zum Euro. Voraussichtlich werden das viele andere regionale Freigeldinseln genau so machen, falls erkannt wird, daß ein Wechselkurs von Anfang an notwendig ist.
Manche Experimente begannen eins zu eins zur Landeswährung und werden erkennen, daß diese anfängliche Erleichterung einen Pferdefuß hat. Bisher konnte kein einziges derart begonnenes alternatives Tauschmittel später den notwendigen Wechselkurs nachträglich einführen und endete daher entweder durch Verbot oder zusammen mit der Erstwährung an die es gebunden blieb.
Das letzte derartige Geld sind die Creditos in Argentinien, die schon eine relativ große Verbreitung erreicht hatten, aber jetzt deshalb mit dem Peso zusammen wertloser werden und deshalb auch die geplante Umlaufsicherung nicht mehr einführen können.
Unter den verschiedensten japanischen Zweitwährungen hat anscheinend nur der Watto einen eigenen Wertstandard, die Kilowattstunde. Noch hat er allerdings keine Umlaufsicherung und ist noch relativ bedeutungslos.
Bei den Creditos wurden übrigens 50 Creditos an die Teilnehmer als Kredit ausgegeben und da ein Credito einen Peso wert war, der wiederum einen US Dollar wert war, kann man sich eine Vorstellung von der umlaufenden Creditomenge machen. Angeblich gab es schon 3 Millionen Teilnehmer. Es ist wirklich schade, daß fehlender unabhängiger Wertstandard und fehlende Umlaufsicherung so einen erfolgreichen Beginn letzten Endes scheitern ließen.
Die für 2000 geplante Umlaufsicherung der Creditos war übrigens mit 48% im Jahr, 4% im Monat, viel zu hoch und hätte dem Credito schon damals den Garaus gemacht. Niemand hätte so ein Tauschmittel noch akzeptiert. Später waren dann allerdings 12% im Gespräch, aber auch die waren in der gegebenen Situation in der der Peso schon inflationiert wurde, viel zu hoch.
Das Zeitfenster in dem das Richtige gemacht werden konnte, war verpaßt worden. Alternatives Freigeld kann während einer Inflation der Landeswährung nicht mehr eingeführt werden. Dann muß es schon als anerkannt stabiles Tauschmittel in Umlauf sein. Es muß während der vorhergehenden Stagflation und beginnender Deflation als Ersatz für die auf dem Markt fehlende Landeswährung eingeführt werden.
Ist es dann eingeführt, bleibt es auch bei Hyperinflation der Landeswährung auf dem Markt und kann die Restaurierung des anderen Geldes und den Beginn einer neuen Runde des alten Spieles verhindern.







