Alte Freiwirte
Einige Gedanken darüber, warum die freiwirtschaftlichen Organisationen so erfolglos geblieben sind. Das einzige greifbare Resultat, das ich kenne, ist das Silvio Gesell Heim.
Weder auf parteipolitischer Ebene noch beim Einbringen freiwirtschaftlicher Ideen in andere Parteien hatten sie je Erfolg. Mit der Wirtschaftswissenschaft ist es eher noch schlimmer.
Seit über 70 Jahren hat sich in Bezug auf dem einzigen erfolgversprechenden Weg, dem Weg beispielgebender Experimente, nichts getan.
Die Hauptursache dafür liegt bei den Freiwirten selber, die Freigeld in eine organisatorische oder gar staatliche Struktur zwingen wollen. Die Leute in den freiwirtschaftlichen Organisationen, die dort den Ton angeben kommen entweder aus dem Sozialismus und können ihre marxistischen Eierschalen nie ganz ablegen oder aus dem religiösen Antizinslager und auch die sind von autoritären Strukturen geprägt. Für Leute mit anarchistischen Neigungen ist in diesen Organisationen kein Platz und sie verschwinden auch meistens sehr schnell aus ihnen. Einzig und allein sind einige Stirneranhänger während der Weltwirtschaftskrise etwas länger geblieben und die haben dann auch Experimente begonnen.
Dabei ist Freigeld im Grund eine Idee, die zum Anarchismus paßt und Freigeld MUSS so eingeführt werden, weil niemand wissen kann, wieviel Freigeld wirklich gebraucht wird um ein festes Preisniveau zu erreichen. Das muß experimentell festgestellt werden. Beim Experiment von Wörgl waren pro Verwender vielleicht ein halber Schilling im Umlauf und mit dieser geringfügigen Menge wurden in einem Jahr vielleicht drei Millionen umgesetzt. Ich sage vielleicht, weil es sich naturgemäß dabei um Schätzungen handelt. Wir wissen zwar genau, wieviel Wörgler Geld im Umlauf war, aber wir wissen nicht genau wieviele Leute es verwendeten und außer wenigen öffentlichen Arbeiten, die damit bezahlt wurden, ist auch das Ausmaß der anderen damit bezahlten Waren und Dienstleistungen auf Schätzungen angewiesen. Konkrete Zahlen haben wir außer der Meldung, daß nach drei Tagen 5100 Schillinge Gemeindesteuern bezahlt worden waren mit nur 1000 Schilling Wörgler Geld ausgegeben, wovon am Ende der drei Tage vielleicht 300 in Umlauf waren. Deren Umlaufgeschwindigkeit muß phantastisch gewesen sein. Da man wirksames Geld nie als statische Geldmenge sehen darf, sondern immer als dynamisches Geldmenge mal Umlaufgesxhwindigkeit und unser heutiges Geld während einer Deflation eine durchschnittliche Umlaufgeschwindigkeit von 8 bis 10 mal im JAHR hat, muß man das bedenken. Das Wörgler Geld hatte eine geschätzte Umlaufgeschwindigkeit von 500 mal im Jahr.
Wer also mit derartig unsicheren Zahlen Freigeld von oben her einführen will muß scheitern. Das könnte höchstens genau so in kleinem Rahmen als Parallelwährung getan werden. Von unten her kann Freigeld wachsen und solange ein Herausgeber die Kaufkraftgarantie einhalten kann, die der wesentlichste Punkt von Freigeld ist, wird es Bestand haben und sich ausbreiten. Andere werden sich entweder anschließen oder dem Beispiel mit eigenem Freigeld folgen.
Aufklärung über Freigeld und Freiland ist schön und gut, aber wenn die Freiwirte glauben, daß sie jemals eine Mehrheit der Menschen aufklären können, werden sie genau so erfolglos bleiben wie bisher. Wenn sie gar glauben, daß nach einem nächsten Zusammenbruch einer Währung jemand Freigeld einführen wird oder kann, dann träumen sie. Diesmal wird es sogar noch schlimmer werden, weil es die Weltreservewährung ist, die zusammenbrechen wird.
Es MÜSSEN schon vorher beispielgebende Freigeldinseln geschaffen werden. Sie werden den Zusammenbruch der alten Währungen nicht verhindern, sondern ihn vielleicht sogar beschleunigen. Sie werden es aber möglich machen ohne Sachkapitalzerstörung durch einen Krieg, Arbeitsteilung und friedlichen Handel aufrecht zu erhalten. Das alte Geld wird untergehen und mit ihm seine Macht aber dann sollte schon ein anderes Tauschmittel existieren, das seine Rolle als Tauschmittel übernommen hat.
Gibt es so eines nicht, wird nur das alte Spiel von neuem beginnen. Dasselbe alte Geld wird nach einem Währungsschnitt in wahrscheinlich noch viel brutalerer Form seine Herrschaft behaupten. Mit absoluter Kontrolle durch eingepflanzte Chips.
Der Weg, solche Freigeldinseln zu schaffen, wird schon gegangen und hoffentlich wird es genügend davon geben, wenn das alte Währungssystem wieder einmal zusammenbricht.
Noch sind solche Inseln erst in den Anfängen, aber es gibt schon weltweite Ansätze dafür und gibt es erst genügend davon, die wie Wära oder Wörgl beispielgebend sein können, kann es vielleicht diesmal gelingen, den nächsten Weltkrieg zu verhindern.
Er wurde 1971 durch den Abgang vom Goldstandard verschoben und bisher verhindert aber nun reicht das nicht mehr. Wir sind nun auch am Ende dieser Teillösung.
Das seither aufgebaute Kartenhaus des Dollarwertes droht einzustürzen. Hinter dem Dollar steht nichts mehr als eine marode und nicht mehr konkurrenzfähige amerikanische Industrie und die Atombombe und einige Vasallenregierungen in Europa, Japan und den Ölländern. Dollarland selber hat seine Arbeitsplätze verscheuert und damit seine Arbeiter arbeitslos und teilweise schon obdachlos gemacht. Viele dieser Arbeiter verbringen ihre Zeit in Gefängnissen. Andere haben keine andere Chance als zum Militär zu gehen. Wie lange die wohl noch das Kanonenfutter für die Dollarhegemonie abgeben werden, bleibt abzuwarten.
Die Leute hinter dem Dollar wissen das natürlich genau so gut, aber sie hoffen, daß es noch genügend Dumme gibt, die das Spiel nicht durchschauen und anscheinend gibt es die auch noch immer.
Der Rest glaubt, daß man sowieso als einzelner nichts machen kann und vergessen dabei, daß Michael Unterguggenberger als Bürgermeister des kleinen Wörgl auch nur ein einzelner war. Er war nach einem Jahr nahe daran einige 100,000 Mitstreiter zu bekommen. Leider gelang es der österreichischen Rothschildbank im letzten Moment das Wörgler Geld verbieten zu lassen.








