Ablauf oder Markengeld
Diese beiden Freigeldvariationen sind verwendbar für Parallelwährungen. Das Markengeld ist die ältere Variante und hat auch schon einige Feldversuche hinter sich. Die amerikanischen Experimente funktionierten wegen der viel zu hohen Gebühr von 2% pro Woche nicht aber eine Gebühr von 1% im Monat wurde toleriert und sowohl in Wörgl als auch in Schwanenkirchen war so ein Geld erfolgreich.
Es würde sicherlich mit der halben Gebühr von 1% alle zwei Monate noch besser funktionieren, weil es dann leichter akzeptiert würde und so auch schon angenommen würde, wenn das andere Geld noch nicht ganz vom Markt verschwunden ist. Der Volmetaler in Hagen arbeitet seit Oktober 2005 mit dieser Höhe.
Bei den früheren Experimenten während der Weltwirtschaftskrise war das andere Geld schon verschwunden und deshalb wurde das umlaufgesicherte Geld auch mit einer etwas zu hohen Gebühr noch angenommen. Mit dem Wörgler Geld konnten auch Gemeindesteuern bezahlt werden und das erleichterte sicher die Annahme aber Wära in Schwanenkirchen funktionierte auch ohne dem.
Als parallel umlaufendes Tauschmittel, wenn das andere Geld noch nicht weitgehend verschwunden ist, hat das Markengeld aber gegenüber den Ablaufgeld einen schwerwiegenden Nachteil. Ist die Gebühr niedrig damit dieses Tauschmittel konkurrenzfähig ist und das wäre am besten 3% im Jahr, kann es spekulativ zurückgehalten werden und ist daher auch anfällig für wirtschaftliche Gegenmaßnahmen der Opposition. Während des Experimentes in Wörgl wurde das Wörgler Geld gleichlaufend mit dem Nationalbankgeld 8% im Jahre mehr wert. Die tatsächliche Gebühr von 12% war im Jahr daher eigentlich nur 4%.
Doch nun zum Ablaufgeld. Hier wird die Gebrauchsgebühr in der Höhe von 5% ähnlich wie bei den Brakteaten beim Umtausch abgelaufener Scheine erhoben. Das vereinfacht die Handhabung wesentlich und ermöglicht eine Flexibilität, die mit der anderen Methode nicht möglich ist. Der Herausgeber kann durch einfache Veränderung der Laufzeiten eine jährliche Gebühr von so wenig wie 1% erzielen aber auch einem Spekulanten soviel wie 20% im Jahr Kosten verursachen ohne die Umtauschgebühr von 5% zu verändern. Spekulative Geldzurückhaltung ist damit unmöglich gemacht, während man die Kosten für die Allgemeinheit, die ihr Geld sowieso ausgibt oder investiert, sehr niedrig halten kann.
Die Ablaufdaten, die auf jedem individuellen Freigeldgutschein gelocht oder gedruckt werden zusammen mit den laufenden Nummern ergeben eine fast absolute Fälschungssicherheit. Die Ausgabeverwaltung braucht nur die laufenden Nummern festhalten, wenn die Scheine ausgegeben werden. Die müssen mit den jeweiligen Ablaufdaten übereinstimmen. Bekommt ein Kaufmann einen verdächtigen Gutschein, braucht er nur bei der Zentrale anrufen und Seriennummer und Ablaufdatum angeben und die können sofort feststellen daß es sich um einen gefälschten Schein handeln muß, wenn sie nicht übereinstimmen.
Der Umtausch abgelaufener Scheine gegen noch gültige wird in der Praxis von den Leuten gemacht, die das größte Interesse daran haben, daß dieses Tauschmittel im Umlauf bleibt und nicht gehortet wird. Den Gewerbetreibenden. Jeder wird daher einen abgelaufenen Schein gegen einen mit möglichst kurzer noch verbleibender Laufzeit umtauschen und jemandem, der so einen Schein sowieso im nächsten Monat verwenden wird, ist das egal.
Besteht also jemand beim Umtausch auf einem Schein mit voller verbleibender Laufzeit, ist es klar, daß er den Schein solange horten möchte und alle Gewerbetreibenden werden sich einen Sport daraus machen, solchen Leuten so oft im Jahr als möglich die 5% Umtauschgebühr abzunehmen. Ein Horter wird somit nicht nur einmal im Jahr 5% zahlen müssen, sondern vielleicht bis sechs mal.
Was das Vertrauen auf den Wert so eines Scheines betrifft, ist das nur eine Zeitfrage. Im Gegensatz zu anderen Geld wird ja ein umlaufgesichertes Tauschmittel in kurzer Zeit wieder ausgegeben und damit ist die Sache erledigt. Die Kaufkraftgarantie der Ausgabestelle, die auf jedem Schein vermerkt ist, ist felsensicher und jeder teilnehmende Geschäftsmann beweist das täglich, wenn er Waren dafür verkauft oder so einen Gutschein gegen anderes Geld zurücknimmt. Wer also so einen Schein nicht traut, braucht ihn nur schnell weitergeben und genau das ist ja der Sinn der Sache.
Noch eine Bemerkung zum fehlenden Kleingeld. Das ist bei einer Parallelwährung nicht notwendig, weil man da Kleingeld des Erstgeldes verwenden kann, solange das noch einigen Wert behält. Später wird sich herausstellen, daß niemand mehr mit 99 Centpreisen rechnen wird. weil das Geld dann nicht mehr als wertvoller als die Waren, die man damit kaufen kann, angesehen werden wird. Es wird dann nur mehr runde Preise geben. Durch den Fortschritt der Technik sind selbst Münzautomaten nicht mehr notwendig und es wird auch bei Freigeld später Cashkarten geben und die Banken werden Freigeldkonten führen und Überweisungen durchführen.
Für ein lokales, paralleles Tauschmittel ist das anfangs noch nicht unbedingt notwendig. Bare Tauschmittel sind völlig ausreichend um alle lokalen Warenbewegungen zu begleiten und zu bezahlen. Sie können viel schneller bewegt werden als Waren und Dienstleistungen.
Bei niedrigen Zinsniveau werden auch die wahren Kosten des sogenannten Buchgeldes offenbar und heute mehren sich schon in den USA die Geschäfte in denen eine Bezahlung mittels Kreditkarte nicht mehr akzeptiert wird. Warten wir also ruhig ab, wie sich bei parallelen Tauschmitteln die Sache entwickelt. Solange die Umsätze mit Gutscheinen nur zusätzliche 20 bis 40 % der Gesamtumsätze ausmachen, wird es keinerlei Schwierigkeiten geben die Gutscheine weiterzugeben. Werden es später mehr, hat das zur Vorbedingung, daß mehr Leute Gutscheine verwenden und man daher mehr Plätze hat, wo man es wiederverwenden kann.
Es wird daher nur wenige Fälle geben in denen man Gutscheine rücktauschen und die 5% Rücktauschgebühr zahlen muß. Geschieht das, vermindert sich automatisch dadurch die umlaufende Gutscheinmenge. Es kann also nie eine Gutscheininflation geben und kaum jemand wird mehr Gutscheine einnehmen als er gebrauchen kann. Im schlimmsten Fall verwendet er sie eben etwas später oder tauscht sie im allerschlimmsten Fall zurück.
Hier ist das Ablaufgeld auch von Vorteil, weil man nur einmal im Jahr die Gebühr zahlen muß. Man kann daher ohne Kosten etwas länger warten, bis man etwas damit kauft obwohl es einem Horter mehr kosten wird als das Markengeld. Markengeld mit mehr als 6% Gebühr im Jahr ist nicht konkurrenzfähig mit normalem Geld, das noch auf dem Markt ist und es kostet daher einem Horter nur 6% im Jahr und niemand kann es teurer machen ohne die Gebühr für alle zu erhöhen und damit die Konkurrenzfähigkeit der Gutscheine zu untergraben. Wie schon erklärt, ist das bei Ablaufgeld anders. Da bleibt die Gebühr für alle 5% und vielleicht sogar weniger aber für die leicht erkennbaren Horter und Spekulanten wird es teuer.
Das ist der Zweck der Übung. Billig für diejenigen, die Gutscheine als Tauschmittel verwenden und teuer für die Horter und Spekulanten. Das Ablaufgeld ist da viel flexibler und die Geschäftsleute, welche die Umtäusche vornehmen, werden das aus eigenem Interesse so machen, denn sie wollen ja, daß das Tauschmittel umläuft und nicht gehortet wird. Gehortetes Tauschmittel kauft nichts bei ihnen. Einem Kaufmann braucht man das nur einmal klar machen und er versteht auch sofort, daß die Gebrauchsgebühr notwendig ist und ihm nur geringfügige Kosten verursachen wird, denn auch er braucht Gutscheine, die knapp vor dem Ablaufdatum sind nur dann ohne Abzug annehmen, wenn er es aus Konkurrenzgründen tun will. Rückgetauscht werden nur Scheine mit mindestens noch einem Monat verbleibender Laufzeit und das steht auf jedem Schein. In Wörgl drehten sich die Arbeitwertscheine etwa 500 mal im Jahr um. Die wahren Kosten für jeden Umsatz waren also 1 Promille.
Die Handhabung von Ablaufgeld ist sowohl für das Publikum als auch für die Geschäftsleute und den Herausgeber einfacher als die von Markengeld und voraussichtlich werden das auch die Pioniere merken, die noch die alte Markengeldmethode für ihre Tauschmittel benützt haben und werden früher oder später die Methode ändern.
Kreditkartenzahlungen ( d.i. Buchgeld) beginnen schon jetzt bei sinkendem Zinsniveau nicht mehr überall akzeptiert zu werden. Gibt es erst viele Regionen mit alternativen Tauschmitteln und Zinsen um 0% wird es kaum mehr Kreditkarten geben.
Ein weiteres Argument für Ablaufgeld sind die Brakteaten, die selbst bei hohen Gebühren 300 Jahre lang funktionierten und die Wirtschaftsblüte der Gotik verursachten. Die Getreidegutscheine im alten Ägypten funktionierten sogar 4000 Jahre und scheinen jetzt in den Cereal Banks in Argentinien eine Auferstehung zu feiern mit sehr guten Erfolg..
Bezüglich des fehlenden Kleingeldes haben übrigens die Erzgebirgler gerade das Pfennigspiel erfunden. Das kann beim Übergang sicherlich diese Lücke füllen, wenn der Euro früher als erwartet abschwimmt.
Aber keine Angst. Ihr werdet gewarnt sein. Der Dollar wird früher abschwimmen. Dann wird zwar auch der Euro folgen aber wer schnell auf den Füßen ist, kann dann schon noch reagieren und sein Vermögen retten.







