15. März 2011 · Leitfaden Kommentare (0)

Die Geburt des Staates

VulkanausbruchBeginnen wir mit einem kurzen historischen Abriss zur Bevölkerungsentwicklung der Menschheit – und zwar im Zusammenhang mit den sich fortwährend verändernden Ernährungsbedingungen, die sich durch die neolithische Revolution derart drastisch verbesserten, dass die vormals durch die berüchtigte Dunbar-Zahl im Neocortex ausgeübte soziale Kontrolle menschlicher Gemeinschaften schlicht und ergreifend ausgehebelt wurde.

Das bedeutet nichts anderes, als dass die einstigen Gemeinschaften zerbrachen bzw. zwangsläufig zu Gesellschaften expandieren mussten und es in und zwischen diesen Gesellschaften zu Konflikten kam, so dass man die vormals freiwillig solidarische Umverteilung nun per Gewalt durchsetzen musste.

Doch der Reihe nach:

Laut aktuellem Kenntnisstand wurde die Menschheit vor 70.000 Jahren aufgrund einer extremen Dürre nahezu ausgelöscht. Für diese Katastrophe wird u.a. der Ausbruch des Toba-Vulkans verantwortlich gemacht. Beim mehrere Wochen andauernden Ausbruch dieses Supervulkans wurde rund 2.800 km³ Material in atmosphärische Höhen von mehr als 25 km geschleudert, wodurch die Sonneneinstrahlung gemindert wurde, was zu einem neuen Kältemaximum in der Weichsel-Eiszeit führte. Angesichts solcher und vorhergehender Katastrophen ist die Entwicklung religiöser Rituale nicht verwunderlich.

Die Weltpopulation schrumpfte auf etwa 2.000 Menschen, die in isolierten Gruppen zu den afrikanischen und indischen Küsten zogen, da sie auf Grund der anhaltenden Dürre ihre Ernährung zwangsläufig auf das noch vorhandene Nahrungsangebot umstellen mussten. Dies führte zu einer einschneidenden Entwicklung des Intellekts und der verwendeten Werkzeuge und Waffen, infolgedessen eine rasante Bevölkerungsvermehrung begann, die bis heute anhält. Zunächst bildeten sich kleinere Gruppen von 30-50 Menschen, die schließlich bei etwa 150 (Dunbar-Zahl) eine kritische Masse erreichten.

Bei größeren menschlichen Ansammlungen kommt es in der Regel zur Teilung des Stammes, wobei es beim Aufeinandertreffen fremder Stämme zwangsläufig zu Konflikten kam, aus denen mal dieser und mal jener Stamm erfolgreich hervorging. Es herrschte sozusagen ein fragiles Gleichgewicht. Dies hielt allerdings nur bis zur Evolution der Waffentechnik an, bei der man mit enormer Geschwindigkeit Waffen aus Metall fertigte. Das Metall war Bronze (daher “Bronzezeit”) – eine Kupfer/Zinn-Legierung, deren Optimierung einige Zeit in Anspruch nahm. Der Ursprung der Bronzewaffentechnik liegt mutmaßlich in Muschiston (Tadschikistan). Von dort beginnt der Siegeszug der Bronze (die Herkunft des Zinns ist noch ungeklärt) bis nach Mittel- und Vorderasien, womit einige Hirtenstämme mit Hilfe ihrer nun überlegenen Waffen die dort im fruchtbaren Halbmond siedelnden Bauerngemeinschaften dauerhaft unterjochen und zu Abgaben zwingen konnten.

GetreideanbauAus den durch diverse katastrophale Ereignisse entstandenen religiösen Ritualen bildete sich eine eigene Priesterkaste heraus, die man als erste politische Führungsschicht interpretieren kann und für die allgemeine Sicherung der Versorgung in Notfällen verantwortlich war. So ist die zeitgleiche Entwicklung der Landwirtschaft und mit ihr in engem Zusammenhang stehenden Schrift und Mathematik zur logistischen Bewältigung der Feldbewässerung kein Zufall, sondern eine sich aus der wachsenden Bevölkerung und Engpässen geschuldete Notwendigkeit, die durch die mit einer Unterjochung einhergehenden Abgabenpflicht noch verstärkter Anwendung fand. Denn die Abgaben an die neuen Machthaber musste auf den riesigen Gebieten (Latifundien) zunächst in natura geleistet werden.

Dies ist die Geburt des Staates, bei der jemand die Waffe erhob und Tribut forderte, um sein Rechtssystem zu installieren. Es ist die Geburt des Kredits und die Geburt des Marktes, in der der tributpflichtige Untertan nun alles daran setzen musste, den Tribut zu erwirtschaften – in welcher Form auch immer. Dies ist also die Geburtsstunde der Wirtschaft, des Geldes und all seiner Verwerfungen. Es ist die “Vertreibung aus dem Paradies”.

Diese Machttheorie müsste im Grunde allen ökonomischen Theorien voranstehen. Insofern aber irgendeine sogenannte Wirtschaftswissenschaft diesen zugrundeliegenden Baustein in ihren Modellen und Erklärungen ignoriert (also so ziemlich alle), taugt sie eben keinen Deut, als zur Verblödung des Geistes und sinnleeren Geld-, Verteilungs- und Stabilisierungsdiskussionen, die allesamt am Thema vorbei gehen.

Bildquellen:

Hinterlasse eine Antwort.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*