Im Angesicht der erneuten Krisensituation - nein, nennen wir es doch schlicht Krieg, der im Nahen Osten stattfindet und die altbekannten Teilnehmer zu Felde führt - keimen erneut Diskussionen über die israelische Außenpolitik (oder darf man das zynischerweise gar als Innenpolitik bezeichnen?) auf. Da ist es schon zwingend logisch, dass da der ein oder andere Kritiker sofort mit der Antisemitismuskeule eins übergebraten bekommt. Dieser regelmäßig wiederkehrenden Argumentationsbremse möchte ich hier mal kurz auf den Grund gehen.
Zunächst einmal steht doch die Frage im Raum, ob man überhaupt die Politik Israels von der jüdischen Religion getrennt betrachten kann. Die geschichtliche Entwicklung verneint diese Frage komplett, denn Israel wurde genau aus dem Gedanken zwangsgegründet, einen Judenstaat zu schaffen (siehe insb. Moses Hess, Theodor Herzl).
Dieser jüdische Nationalismus nennt sich nun Zionismus. Demzufolge wäre auch jegliche Kritik an dieser jetzigen jüdischen Nation zunächst mal höchstens als antizionistisch zu bezeichnen und keineswegs als antisemitisch. Denn es geht eben keineswegs um eine pauschale Ablehnung der Juden, sondern um eine ablehnende Haltung gegenüber der Politik des jüdischen Staates bzw. des Staates selbst.
Jene, die hier schon nicht zu differenzieren wissen, sollten sich einfach mal vorstellen, inwiefern eine antiamerikanische oder antideutsche Haltung als antichristlich einzustufen wäre. Genau, überhaupt nicht. Derlei Behauptungen sind schlicht strunzhohler Bockmist und dienen zumeist dem argumentationsbefreitem Abwürgen eines diskussionswürdigen Streitpunktes oder gar der kompletten Diskussion selbst.
Wer Shoa sagt, muss auch Nakba sagen.
Keineswegs schwebt mir hier eine Aufwiegung der jeweiligen Opfer vor, sondern die Auseinandersetzung mit der humanistischen Entwicklung eines Staates, der aus dem Becken unmenschlicher Gewalttaten entsprang.
Die Shoa selbst stellt eben ein weiteres Problem dar, da sie mittlerweile zur Holocaust-Industrie avanciert wurde und zu berechtigten Kommentaren wie diesen führt:
Quelle: spiegelfechter.com
Freibrief durch Holocaust.
Derlei Bemerkungen weisen natürlich auch provokant auf die anhaltende Untätigkeit der westlichen Staaten hin.
In Amerika verhindert AIPAC & Co. sehr erfolgreich eine rationale und humane Änderung der Außenpolitik. Und vor allem die amerikanische Re-Education in Deutschland tat letztlich mit der wiederholten merkelschen Solidarität ihr Übriges. Welche Vorteile Deutschland auch immer aus einer menschenrechtsverletzenden Politik im Nahen Osten entstünden. Vielleicht denkt Merkel ja an die deutschen Waffenexporte?
Die Endlösung
Zuviel Sarkasmus? Nicht in Anbetracht der nichtsbringenden weltweiten dialektischen Auseinandersetzung mit diesem Thema.
Selbstverständlich ist die Vertreibung der Palästinenser aus ihrer Heimat und die dortige Gründung Israels schlecht vermittelbar gewesen. Und zwar dergestalt, wie wenn jemand beschließen würde, in ihre Wohnung Daniel Küblböck zu setzen und sie nach und nach im Keller einzusperren, weil sie dies natürlich nicht mit frenetischem Beifall begrüßt haben. Frechheit aber auch!
Es geht doch in erster Linie um menschenwürdiges Zusammenleben. So sind es die Regierungen Israels, Amerikas und auch die unsere, die diesen Krieg mit wirtschaftlichen Sanktionen und Waffen- oder Geldlieferungen forcieren. Ob dahinter einfach nur Rache, die Gier nach Geld, oder gar fundamentalistisch-großzionistische Bestrebungen stecken, ist doch vollkommen zweitrangig.
Es gilt nun die Situation durch Aufhebung wirtschaftlicher Sanktionen zu entschärfen und Hilfsgüter statt Waffen zu entsenden, denn kein gesunder Mensch will Krieg. Doch machen wir uns keine Hoffnung, denn genau das wird nicht nur wegen der anstehenden israelischen Wahlen nicht passieren.